Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel

Allgemeines
Seit mehreren Jahrzehnten werden Jugendliche und junge Erwachsene an der Berufsbildenden Schule Speyer zu Kaufleuten im Groß- und Außenhandel (Schwerpunkt Großhandel) ausgebildet. Wobei die Klassengrößen – je nach wirtschaftlicher Lage und Ausbildungsengagement der Großhandelsbetriebe- zwischen 15 und 20 Schülerinnen und Schülern schwanken.

 

Tätigkeitsbereich
Groß- und Außenhändler sind Mittler zwischen Produzenten und Großverbrauchern, Einzelhändlern und Weiterverarbeitern. Einkauf, Lagerhaltung und Vertrieb der Ware bilden die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit. Sie müssen sich ständig einen Überblick über den Markt verschaffen und ersparen den Einzelhändlern, mit einer Vielzahl von Produzenten Kontakt zu pflegen. Als Unternehmer bestimmen sie selbst, welche Waren in welcher Menge aufgekauft werden. Je nach der Zahl ihrer Kontakte ins Ausland oder Inland werden sie mehr Außenhandels- oder Großhandelskaufleute sein. Spezialisierungen auf bestimmte Warengruppen sind notwendig, um möglichst wirtschaftlich arbeiten zu können.

 

Ausbildungsvoraussetzungen und -dauer
Die regelmäßige Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre.
Zugangsvoraussetzung ist der Hauptschulabschluss. Viele Schüler verfügen aber über den qualifizierten Sekundarabschluss I, wenige über das Abitur.
Auszubildende mit Abschluss der Berufsfachschule II Wirtschaft, der Höheren Berufsfachschule Betriebswirtschaft oder Abitur können die Ausbildung um ein Jahr verkürzen. Sie werden auf Antrag ins zweite Ausbildungsjahr eingeschult.

 

Unterrichtsfächer und -organisation
Der Unterricht gliedert sich in 12 Lernfelder (4 Lernfelder pro Schuljahr) und in die allgemein bildenden Fächer Sozialkunde, Deutsch, Englisch und Religion.

Lernfeld 1: Das Groß- und Außenhandelsunternehmen präsentieren (80 Std)
Lernfeld 2: Aufträge kundenorientiert bearbeiten (80 Stunden)
Lernfeld 3: Beschaffungsprozesse planen, steuern und kontrollieren (80 Std)
Lernfeld 4: Geschäftsprozesse als Werteströme erfassen, dokumentieren und auswerten (80 Std)
Lernfeld 5: Personalwirtschaftliche Aufgaben wahrnehmen  (80 Std)
Lernfeld 6: Logistische Prozesse planen, steuern und kontrollieren (80 Std)
Lernfeld 7: Gesamtwirtschaftliche Einflüsse auf das Groß- und Außenhandelsunternehmen (40 Std)
Lernfeld 8: Preispolitische Maßnahmen erfolgsorientiert vorbereiten und steuern (80 Std)
Lernfeld 9: Marketing planen, durchführen und kontrollieren (80 Std)
Lernfeld 10: Finanzierungsentscheidungen treffen (80 Std)
Lernfeld 11: Unternehmensergebnisse aufbereiten, bewerten und nutzen (80 Std)
Lernfeld 12: Berufsorientierte Projekte für den Groß? und Außenhandel durchführen (40 Std)

Der Unterricht findet an einem bzw. vierzehntätig an zwei Tagen in der Woche statt (sogenannter Teilzeitunterricht).

 

Ausbildungsinhalt
Grundlage der Ausbildung ist die Verordnung über die Berufsausbildung zum Kaufmann/ zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel vom 14. Februar 2006 und der Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel vom 13. Januar 2006. Die Ausbildung ist in den Fachrichtungen Großhandel und Außenhandel möglich. An der Berufsbildenden Schule Speyer wird nur in der Fachrichtung Großhandel unterrichtet.

 

Kaufleute im Groß- und Außenhandel ...

  • verkaufen Waren, Service- und Kundendienstleistungen und kalkulieren Verkaufspreise,
  • sichern Qualitätsstandards,
  • beobachten den Markt und beurteilen die Absatzchancen,
  • ermitteln Bezugsquellen, bewerten Angebote und kaufen Waren ein,
    setzen Warenkenntnisse ein,
  • planen und führen Einkaufs- und Verkaufsgespräche,
  • informieren und beraten Kunden,
  • bearbeiten Reklamationen,
  • erarbeiten Marketingmaßnahmen und setzen sie um,
  • bearbeiten Kundenaufträge und Zahlungsvorgänge und beurteilen Kreditrisiken,
  • werten Kennziffern und Statistiken für die Erfolgskontrolle aus und leiten Maßnahmen daraus ab.

 


Kaufleute der Fachrichtung Großhandel ...

  • planen, steuern und kontrollieren logistische Geschäftsprozesse in Wareneingang, Lager und   Warenausgang,
  • wählen Logistikdienstleistungen und setzen sie ein,
  • erfassen Wareneingänge, überwachen Lagerbestände und führen Inventuren durch,
  • nutzen fremdsprachige Informationen und erteilen Auskünfte in einer Fremdsprache.

Zwischen- und Abschlussprüfung
Die Zwischenprüfung findet i.d.R. am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt. Der Prüfling kann dabei nicht durchfallen. Er/Sie soll lediglich ein Feed back über den bisherigen Ausbildungs- und Leistungsstand erhalten und zudem an das „Schnuppern von Prüfungsluft“ gewöhnt werden, denn das, was man kennt, verliert etwas an Schrecken.
Die Abschlussprüfung unterteilt sich in einen schriftlichen Teil und einen praktischen (mündlichen) Teil. Der schriftliche Teil der Prüfung umfasst die schriftliche Bearbeitung der drei Prüfungsfächer „Großhandelsgeschäfte“, „Kaufmännische Steuerung und Kontrolle, Organisation“ sowie „Wirtschafts- und Sozialkunde“ und findet in den Räumen der Berufsbildenden Schule Speyer statt.
Die praktische Prüfung umfasst i.d.R. ein halbstündiges Gespräch vor einem Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer in Ludwigshafen. Mitglieder dieses Prüfungsausschusses sind Praktiker aus den Großhandelsbetrieben der Region und Lehrern von Berufsbildenden Schulen. Für die Berufsbildende Schule Speyer sitzen Herr Keim und Herr Gunst in solchen Ausschüssen.
Nicht extra erwähnt werden muss, dass man, im Gegensatz zur Zwischenprüfung, bei der Abschlussprüfung – und zwar in beiden Teilen - sehr wohl durchfallen kann.


Rahmenlehrplan
http://www.kmk.org/GrossundAussen.pdf
Ausbildungsordnung
http://www.bmwi.de/BMWi/