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Bankkaufmann: Ein Ausbildungsvergleich

von Aylin Özdemir, Paola Beshko HBF1, Jan. 2013

Heutzutage ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, nach dem Schulbesuch eine Ausbildung zu finden. Umso besser für diejenigen, welche direkt eine ergattern. Doch Ausbildung ist nicht gleich Ausbildung, denn die viele Berufseinsteiger unterschätzen oftmals die Anforderungen oder befassen sich zu geringfügig mit den Inhalten in diesem Beruf. Folgen sind demnach meist Motivationslosigkeit bis hin zum Abbruch dieser Ausbildung und einer Umorientierung, welche oftmals die eigenen Pläne um Jahre zurückwirft. Daher habe ich mich dazu entschlossen, zwei ehemalige Schüler der Johann-Joachim-Becher Schule, die in derselben Branche arbeiten, zu befragen und deren bisherigen Eindrücke festzuhalten.

Interviewer: Ihr beiden habt euch vor knapp 2 Jahren dazu entschlossen, eine Berufsausbildung bei einer Bank zu beginnen. Wieso?

H.: Nun, das kam eher spontan als durchdacht. Wir haben beide unser Pflichtpraktikum bei einer kleineren Bank begonnen, um erste Eindrücke zu sammeln, ob dieser Beruf überhaupt in Frage kommt.

D.: Ich wurde eher mitgezogen, als dass ich mir Gedanken über Alternativen gemacht hätte. H. hat sozusagen für uns beide mitgedacht und ich dachte mir, dass es nicht schaden könnte.

Interviewer: Wie lief euer Praktikum ab? Habt ihr erst dadurch die Entscheidung getroffen, auch eine Ausbildung zu beginnen?

H.: Für mich war es nach dem Praktikum klar, dass ich im Finanzsektor arbeiten möchte. Kundennähe und die teilweise psychologisch behaftete Rolle als Kundenberater hatte mich vor allem fasziniert.

D.: Für mich waren ebenfalls der Kundenkontakt und die abwechslungsreiche Arbeit der Hauptgrund. Natürlich auch mit dem Gedanken im Hinterkopf mit H. weiterhin arbeiten zu können. Was ja leider nicht geschehen ist.

Interviewer: Wie ist das zu verstehen?

D.: Nun ja, wir haben uns beide bei der gleichen Bank beworben, doch leider haben Sie sich für nur einen von uns entschieden. Das war jedoch nicht so dramatisch, denn bei mir hat es dann mit der zweiten Bewerbung geklappt.

Interviewer: Wieso habt ihr euch für eine Ausbildung in so großen Banken entschieden?

H.: Ich wollte schon immer in einem Unternehmen arbeiten, welches als Global Player in der weltweiten Wirtschaft fungiert. Daher gab es eigentlich nichts Größeres als bei einer großen Bank zu beginnen. Als weiterer Grund natürlich die guten Aufstiegsmöglichkeiten.

D.: Bei mir war es ähnlich, nebenbei habe ich mich auch noch bei einer kleineren Bank beworben, wo wir unser Praktikum absolviert hatten. Doch als für beide Stellen eine Zusage kam, war für mich klar, die europäische Größe zu bevorzugen.

Interviewer: Wie waren eure ersten Eindrücke? Und wurden eure Erwartungen bislang erfüllt?

H.: Bei mir wurden diese sogar übertroffen. Ich habe niemals damit gerechnet, dass die Arbeitsatmosphäre in einem so großen Finanzkonzern doch so herzlich und warm sein kann. Die Kollegen haben einen auf Anhieb angenommen und sowohl gefördert als auch gefordert. Ich erinnere mich noch ganz genau an meinen allerersten Tag. Bei Regenwetter kam ich mit der Bahn in die Neckarstadt in Mannheim und da sah ich diese Filiale. Die kam einem riesig vor; zunächst ging ich rein und stellte mich an die Schlange, bis mich ein Mitarbeiter zu sich winkte und mit einem Lächeln meinte: „Ab jetzt müssen Sie sich in der Bank nicht mehr anstellen.“ Sicher ist diese Arbeit nicht ohne, aber ich würde mich stets wieder dafür entscheiden.

D.: Schön, dass es wenigstens bei einem von uns so positiv verlief (lacht). Bei mir war es nahezu das genaue Gegenteil. Ich dachte mir, na gut, eine Bankausbildung ist doch schon mal eine gute Basis. Aber schnell habe ich gemerkt, dass das Praktikum zu kurz war, um die Bank in allen Facetten zu sehen. Dies brach mir dann sozusagen das Genick während der Ausbildung. Mittlerweile sitze ich die Zeit eher ab und habe mir schon Gedanken darüber gemacht, wie es weiter geht.

Interviewer: Das sind wirklich zwei total unterschiedliche Ansichten, doch bevor wir dazu kommen, eure Zukunftspläne zu bereden, würde ich noch gerne wissen, in welchen Abteilungen ihr gearbeitet habt und welche euch mehr oder weniger gefallen haben.

D.: Verschiedene Phasen oder Abteilungen bin ich nicht durchlaufen. Ich habe zwar vier verschiedene Filialen besucht, aber im Großen und Ganzen ging es immer um das klassische Privatkundengeschäft. Also für die „Normalos“ wie z.B. Bausparen, Sparprodukte, Kredite und der klassische Schalterservice.

H.: Bei mir lief das im Gegenteil zu D. nach festen Phasen ab. Grob gesagt gibt es bei uns 5 Schritte, die wir durchlaufen müssen. Angefangen mit Banking – also dem Privatkundengeschäft mit Einlagen und Krediten, dann Vorsorgen mit Versicherungs- und Rentenprodukten. Anschließend die Wertpapierphase rund um das Portfoliomanagement und die Anlageberatung. Momentan befinde ich mich in der vierten Phase – Finanzieren, wiederum aufgeteilt in Geschäftskundenfinanzierung und die klassische Baufinanzierung. Der letzte Schritt ist die Vertiefungsphase, bei welcher man sich auf die weiterführende Rolle nach der Ausbildung vorbereitet.

Interviewer: Das sind wieder  zwei total gegenseitige Abläufe. Aus den bisherigen Eindrücken, die ihr mir erzählt habt, stellt sich für mich die Frage: „Wie geht es danach weiter?“

D.: Ich weiß bereits jetzt, dass ich  nicht bei der Bank bleiben werde, ich hatte immer schon eine große Affinität für die Informatik. Daher strebe ich ein Vollzeitinformatikstudium an, um mich danach als Informatiker zu versuchen. Wer weiß, vielleicht verschlägt es mich dann doch nochmal zu einer Bank - nur eben in einer ganz anderen Position.

H.: Das kann ich bezeugen, in EDV war ich immer dankbar, wenn D. neben mir saß und ich mir doch den einen oder anderen wichtigen Satz abschreiben konnte. Nichts desto trotz sehe ich meine Zukunft im Vertrieb der Bank, nämlich in der Anlageberatung. Ich möchte nach der Ausbildung ein 5-jähriges berufsbegleitendes Studium beginnen bis hin zum Master B.A., damit ist ein ziemlich großer Mehraufwand verbunden, aber es wird sich im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen.

Interviewer: Ich danke euch beiden vielmals, da habt ihr mir wirklich sehr vielfältige und auch zwei total verschiedene Aussichten dargestellt.