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Sechs Tage Sonne, Meer und nörgelnde Schüler

Von Kira Meisenheimer (BOS2W / 2014)

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Der Becherbote im Interview mit Frau Stadlthanner über ein einmaliges multikulturelles Erlebnis für ausgewählte Schüler der Johann-Joachim-Becher Schule.

 

Sie waren mit einigen Schülern der HBF für eine Woche in Barcelona. Können Sie uns etwas darüber erzählen?

 

Wir sind sonntags angekommen und unsere Schüler wurden von ihren Gastfamilien abgeholt. Das Wetter war super und man hätte sogar noch im Meer baden können. Nach der ersten Eingewöhnungsphase trafen wir uns montags an der spanischen Schule, die uns dann genauer gezeigt wurde. Anschließend stellte man den Schülern „Kennenlernaufgaben“, die sie hauptsächlich in der Schule, aber auch außerhalb durchführten.

Wir nahmen auch einen Tag am Unterricht teil. Der Donnerstag war für die Vorstellung der Projekte reserviert, die die Schüler im Heimatland vorbereitet hatten. Hierbei waren Schüler aus Ländern wie Italien, Spanien England und der Türkei beteiligt.

 

Um welche Projekte handelte es sich?

 

Es ging um alte Gebäude und Themen, die in der Gegenwart neu aufleben. Wir stellten die Postgalerie und den Dom vor. Auch die Schüler aus den anderen Ländern befassten sich mit Bauwerken.

 

Das klingt doch noch sehr „schullastig“ und Cornellá ist nur ein Katzensprung von Barcelonas Innenstadt entfernt. Kulturell hat sie mächtig viel zu bieten, das haben Sie den Schülern doch nicht vorenthalten?

 

Es gab ein Programm, das die Spanier sehr toll organisiert haben und das hat uns natürlich auch nach Barcelona geführt. Tatsächlich sind sogar die spanischen Schüler teilweise an Orte aus ihrer Stadt gekommen, die sie selbst nicht kannten. Beispielsweise gibt es die wunderbare Kirche „Sagrada Familia“, an der seit dem 19ten Jahrhundert gebaut wird. Sie ist die bekannteste Kirche in Barcelona. Dort waren selbst die meisten spanischen Schüler noch nie drin, denn es ist sehr teuer, dort hinein zu kommen. Der Eintritt liegt zwischen 15 Euro und 20 Euro.

 

In der Altstadt von Barcelona führten die Schüler eine Rallye durch, bei der ihnen verschiedene Aufgaben gestellt wurden. Ziel war es, ihnen Besonderheiten der Stadt zu zeigen. Selbst die einheimischen Schüler erfuhren hierbei noch viel Neues über ihre Stadt. Dies empfand ich auch als einen sehr schönen Aspekt.

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Eine Woche während der Schulzeit kostenlos nach Spanien und wieder zurück – der Traum aller Schüler. Oder?

 

Ich hatte den Eindruck, dass einige Schüler die Reise leider nicht besonders zu schätzen wussten, vielleicht weil sie nichts kostete. Auch wurde sehr viel Kritik an den Gastfamilien geübt. Dies war meiner Meinung nach nur teilweise angebracht. Viele Schüler waren auch schnell mit einem „Ich will nicht mehr, ich fahre jetzt nach Hause“ zur Hand. In meinen Augen wäre ihnen das nicht so schnell über die Lippen gekommen, wenn sie die Reise hätten selbst finanzieren müssen. Es waren aber natürlich auch Teilnehmer dabei, die es ganz toll fanden.

 

Können Sie uns konkrete Gründe für dieses (Fehl-)Verhalten der Schüler nennen?

 

Es gab verschiedene Gründe… Viele Schüler haben sich in den Gastfamilien nicht wohlgefühlt, sie hatten teilweise Schwierigkeiten sich auf die ungewohnte Situation einzustellen, manche sind auch das erste Mal von zu Hause weg gewesen… und ja, das wurde manchmal etwas schwierig.

 

Wie ist ihre Einschätzung, würden sie diese Art von Projekt wiederholen?

 

Ich möchte keine Reise mehr machen, bei der die Schüler nichts bezahlen müssen. Wenn ich es entscheiden müsste, würde ich sie einen Betrag zahlen lassen, der dann zum Beispiel der Schule im Zielort zugute kommt oder einem guten Zweck. Denn ich glaube, dass die Schüler es ansonsten einfach nicht genug zu schätzen wissen.

 

War Spanien die erste Reise dieser Art?

 

Nein, es waren bereits Schüler von der Johann-Joachim-Becher Schule an Schulen in Polen und der Türkei. Dort hatte es aber besser geklappt…

 

Gibt es etwas, dass Sie sich für die Zukunft des Comenius Projektes besonders wünschen?

 

Ich würde mir sehr wünschen, dass sich hier noch mehr Familien bereit erklären, einen Schüler aus dem Ausland für ein paar Tage aufzunehmen.

Es kann eigentlich nicht angehen, dass alle unsere Schüler in den jeweiligen Ländern bei Familien wohnen konnten und in einem vergleichsweise reichen Land wie Deutschland dies nicht möglich ist…

In Spanien sind auch alle aus der HBF bei Gastfamilien untergekommen. Ich werde beim Austausch auch eine Schülerin aus Frankreich aufnehmen, weil sich nicht genügend Schüler bereit erklärt haben, jemanden aufzunehmen.

An anderen Schulen kann man auch nur an einem Austausch teilnehmen, wenn man jemanden aufnimmt.