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Keine Angst vor Entscheidungen

Von Kira Meisenheimer / Inna Kerkesner (BOS II W / 2014)

Gerade eben saß er noch schwer beschäftigt hinter seinem Schreibtisch; jetzt lehnt er sich entspannt am großen Konferenztisch zurück. Sein aktueller Termin: Ein Gespräch mit der Schülerzeitung. Wir stellen fest: Vor uns sitzt ein selbstbewusster Mann in seinen besten Jahren, den nichts aus der Fassung zu bringen scheint. Höflich und zuvorkommend ist er; aber immer mit der nötigen Portion Strenge und Seriosität. Nein, Henning Vollrath gönnt sich keine Verschnaufpause, denn Reden ist sozusagen sein Job.

In seiner frühen Vita finden sich keinerlei Spuren davon, dass dieser Mann uns heute als Schulleiter gegenüber sitzen würde. Ingenieurwissenschaften wollte er nach dem Abitur studieren, letztlich wurde daraus ein Maschinenbau-Studium an der Universität Kaiserslautern. Als er hörte, dass das Land Lehrer für Metalltechnik suchte, schrieb er sich für ein Referendariat an der Johann-Joachim-Becher-Schule ein. „Ich habe schnell gemerkt, dass mir die Arbeit liegt und viel Spaß macht“, erzählt Henning Vollrath. Nach dem zweiten Staatsexamen in den 90er-Jahren wurde er in den Fächern Metalltechnik und Physik übernommen. „Ich habe eine Zeit lang abends in unserer Fachschule auch Projektmanagement und Qualitätsmanagement unterrichtet. Wir haben in jedem Bildungsgang ein anderes Schülerklientel. Von jeder Klasse wird man anders gefordert, diese Vielfalt fand ich immer besonders reizvoll“, so Herr Vollrath.

Ende der 90er hat die Schule schließlich angefangen, sich stärker mit Qualitätsentwicklung und Schulentwicklung auseinanderzusetzen. Hier konnte sich der heutige Schulleiter einbringen und lernte dabei, wie die Strukturen einer Schule funktionieren. Er beschreibt diese Station als „eine kleine Wende“ in seinem Leben. Studiendirektor, Abteilungsleiter im gewerblich-technischen Bereich – im Laufe der Zeit wuchsen die Ämter und Positionen, bis er schließlich im vergangenen Jahr zum „höchsten Tier“ der Schule wurde. Bereut hat er bislang keine seiner Entscheidungen. „Spannende Erfahrungen“ böte ihm sein neuer Posten, sagt er, und Angst vor der Verantwortung habe er keine. „Es gibt unterschiedliche Herausforderungen, die gelöst werden wollen – und zwar Schritt für Schritt.“ Das nehme ihn voll in Anspruch, und genau darauf möchte er sich konzentrieren. „Ich finde, dass ich eine tolle Aufgabe habe“, freut sich Herr Vollrath.

Die Art und Weise, wie Entscheidungen zu treffen seien, beschreibt der Pädagoge folgendermaßen: Zunächst müsse eine Analyse stattfinden. Anschließend gehe es um das Abwägen der verschiedenen Interessen. Dabei sei es wichtig, stets alle im Blick zu haben. Fehler könnten immer wieder passieren. Das sei menschlich, dürfe aber nicht zu oft vorkommen. „Man muss schließlich aus seinen Fehlern lernen“, sagt er schmunzelnd. Letztlich müsse man den Mut haben, Entscheidungen zu treffen und nicht vor sich her zu schieben. „Dass eine Entscheidung nicht immer allen gerecht werden kann, ist klar. Aber sie sollte möglichst vielen gerecht werden.“.

Um dem kopflastigen Schulalltag zu entfliehen, hat der 48-Jährige seine eigene Strategie: Ganz vorne steht die Familie, seine Frau und seine drei Kinder, mit denen er in Lustadt lebt. Als Ausgleich schaltet er beim Laufen und Wandern ab. Auch vom Wetter lässt sich ein Studiendirektor wie er keinen Strich durch die Rechnung machen: Dann wird eben gelesen – oder leidenschaftlich gerne Akkordeon gespielt. Solange das funktioniert, ist die Rente in weiter Ferne.