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Interview mit der Autorin Gabrielle C. J. Couillez

Von Nicolas Thiery (HBF2 / 2014)

Vor wenigen Tagen hatte ich die Möglichkeit, mit der deutschen Autorin Gabrielle C. J. Couillez

ein Interview über Facebook zu führen.

1. Hallo Gabrielle, wie geht es dir?

Danke, es geht mir momentan sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass mir dieses Jahr viel Interessantes und Spannendes auf gute Art und Weise bringen wird.

 

2. Du hast bereits Kinderbücher und einen Erwachsenenromanen veröffentlicht. Wie kamst du eigentlich zum Schreiben? Ist dies ein Hobby, das du schon von Kind aus hast oder hast du es erst als Erwachsene entdeckt?

Lach! Eigentlich habe ich in der Schule nicht sehr gerne Aufsätze geschrieben, auch wenn ich eine gute Schülerin war. Lange Texte zu schreiben, war mir immer viel zu anstrengend und selbst meine privaten Briefe habe ich stets kurz gehalten.

Zum Schreiben bin ich erst aufgrund der mehrfachen Behinderung meines ältesten Sohnes gekommen, mit dem ich viele Therapien, unter anderem zur Sprachförderung, besuchen musste und er sich irgendwann gegen die Übungen, die auch zuhause gemacht werden sollten, sperrte. So habe ich mir andere Methoden ausgedacht, um ihm die Worte, die er damals üben musste, nahe zu bringen – und es entstand mein ersten Kinderbuch “Die Taten des tapferen Ritters Bruno”, das viele Worte mit dem “R-Laut” enthält und sich darum auch zur Sprachtherapie von Vorschulkindern eignet. Denn entspanntes Vorlesen, wobei das Kind möglichst noch kuschelig im Arm von Mama oder Papa liegt, dabei die Bilder betrachtet und dem – in diesem Fall gereimten – Text lauscht, ist eine gute Methode, der Entwicklungsförderung. Wichtig ist, dass die Geschichte schön betont vorgelesen wird. Dann hören Kinder gerne zu. Sie lieben Reime und eine häufige Wiederholung von bekannten Texten. – Man kennt das vom ständigen Abspielen der immer gleichen Hörspiele – So wird der Text aufgenommen und irgendwann spricht ihn das Kind von der Überbetonung des Lesers angeregt von selbst zum passenden Bild. Ohne Druck und Zwang…

 

3. Über was handeln die Kinderbücher und haben diese eine Verbindung mit deinen neuesten Büchern?

Danach schrieb ich die Geschichten von Frau Schnürps, mit denen dann die Präpositionen “in, auf, unter, usw.” oder auch der richtige Gebrauch von “mit” und “ohne” auf lustige Weise eingeübt werden können. – Man kennt das ja, dass Kinder meistens “mitohne” zusammen sagen: Z. B. “Ich will meine Pommes mitohne Ketchup!”

Meiner Meinung auch sehr hilfreich für die Kleinen, denn gut gelacht ist halb gelernt!

Zu meinen neuesten Büchern haben diese Kinderbücher keinen Bezug mehr. Außer, dass mein Sohn mich durch seine Behinderung zum Schreiben animiert hat. Und wenn man einmal damit angefangen hat, scheint man nicht mehr davon loszukommen

 

4. Im Jahre 2013 erschien der erste Band der „Die Frucht des Ölbaums“-Reihe mit dem Untertitel „Der Ketzer“. Kannst du uns kurz erzählen um was sich das Buch handelt?

Das ist mein erster Roman für Erwachsene. Darin geht es um den Katharerkreuzzug in Südfrankreich. Die Katharer waren eine christliche Sekte, die mehr den Lehren des Urchristentums gefolgt sind und die Lehren Jesu in der Bibel des Vatikans für verfälscht hielten. Sie sagten sich vom Papst los und zahlten keinen Zehnt mehr – ich denke, dieser letzte Punkt war ausschlaggebend, dass der Papst zum Kreuzzug gegen die Ketzer aufrief. Das deutsche Wort “Ketzer” ist übrigens eine Ableitung von “Katharer”. Der Protagonist meines Romans ist der damals lebende Ritter Olivier de Termes, dessen Lebensgeschichte sehr interessant ist und die Probleme und Sorgen des Adels damals auch aufzeigt. Mir geht es sehr darum Geschichtliches zu vermitteln und ein genaues Bild dieser Zeit des 13. Jahrhunderts zu zeigen. Die politischen Intrigen und das Machtstreben der Menschen ist das Gleiche wie heute. Ich hoffe, dass mein Roman aufzeigt, zu welchen Grausamkeiten dies führen kann, damit es nicht wieder geschieht und damit kein Krieg für heroisch und gut gehalten wird. Auch deshalb habe ich beim Schreiben die Zeitform des Präsens gewählt, die eigentlich sehr unüblich für einen Roman ist. Ich möchte die Reflektion auf das eigene Leben und Denken beim Leser anregen.

 

5. Was inspiriert dich zum Schreiben?

Hmm, was mich inspiriert… Ich habe mich schon als Kind für das Mittelalter, Burgen und alte Gemäuer interessiert. Wir haben ja auch interessante Burgen in unserer Pfalz…. Aber speziell zu diesem Roman hat mich ein Traum inspiriert, den ich mehrfach geträumt habe. Es ging darin um eine Burg hoch oben auf einem sehr felsigen, spärlich bewachsenen Berg. Das Sonnenlicht war sehr grell in meinem Traum und die Erde unter meinen Füßen war trocken und hart. Das Gefühl, das ich in jenem Traum hatte, war nicht angenehm. Ich hörte Leute “Verräter!” rufen und hatte die Zahl 1256 im Kopf… Viele Wochen fragte ich mich, wie ich dazu komme, einen solchen Traum zu träumen, konnte aber keine Verbindung zu TV-Sendungen oder Selbsterlebtem herstellen. Irgendwann erzählte ich es einer Freundin und sie brachte mich auf das Thema “Südfrankreich” und “Katharer”, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte. So hatte ich meinen Ansatzpunkt zur Recherche im Internet. Und mit der Jahreszahl 1256 stieß ich auf Olivier de Termes…

 

6. Wie lange hast du gebraucht um dein Buch „Der Ketzer“ zu schreiben?

Zunächst habe ich nur aus eigenem Interesse recherchiert, so dass es einige Zeit dauerte, bis ich den Entschluss fasste, daraus einen Roman zu schreiben. Mit Recherche habe ich für den “Ketzer” etwa sechs Jahre gebraucht. Genau kann ich das nicht sagen, weil ich nach 10 Jahren dann ein Manuskript von ca. 1000 Seiten hatte, von dem “Der Ketzer” nur die Hälfte ausmacht.

 

7. Hast du einen Lieblingsort zum Schreiben oder kannst du an allen Orten schreiben?

Am liebsten schreibe ich mit untergeschlagenen Beinen auf meinem Sofa sitzend, das Laptop auf den Knien, prasselndes Kaminfeuer, leise Mittelaltermusik aus dem CD-Player, ein Räucherstäbchen mit Duft von Weihrauch, Kerzenlicht und einem guten Rotwein aus dem Languedoc. Aber man kann ja nicht das ganze Jahr den Kamin heizen! – Nein! Ich sitze dabei auch gerne in meinem Garten. Natur, Ruhe und ungestörtes Alleinsein sind wichtig, sonst kann man nicht in die Phantasie und die Szenen der Geschichte abtauchen, die man erzählen möchte. Das Kopfkino beim Schreiben ist schöner als beim Lesen… grins!

 

8. Welche Hilfsmittel hast du benutzt, um an deinen Büchern zu schreiben?

Laptop, Internet, viele Fachbücher, Landkarten, jede Menge fliegender Notizblätter, Recherchereisen und Fotos, die ich dort gemacht habe, Museumsbesuche, Schwertkampf-DVDs, Dokumentationssendungen – ich glaube, das war’s…

 

9. Wie ich gesehen habe, wird es von deiner „Die Frucht des Ölbaums“-Reihe eine Fortsetzung geben. Was wird in diesem Band passieren?

Ja, der zweite Band ist beim Verlag schon in der Mache. Ich hatte ja ein sehr umfangreiches Manuskript, das in einem Buch nicht gedruckt werden konnte. Der erste Band “Der Ketzer” hat schon 700 Seiten. Der zweite Band wird den Untertitel “Der Kreuzritter” tragen und von meinem Ritter Olivier de Termes ab seiner Lebensmitte weitererzählen. Es bleibt spannend, denn Olivier geht dann als Ritter in die letzten Kreuzzüge gegen die Muslime und wird zum Berater des damaligen französischen Königs Ludwig IX., der auch “Der Heilige” genannt wird. Wir begegnen wieder vielen historischen Persönlichkeiten und auch die ganze Geschichte darum herum beruht wie im ersten Band auf wahren Begebenheiten.

 

10. Wird es von der „Die Frucht des Ölbaums“-Reihe eine dritte Fortsetzung geben oder sind andere Projekte in Planung?

Ein italienischer Historiker will mit mir ein Buch schreiben, in dem es auch um Olivier de Termes, den Gral, das Grabtuch und Geheimnisse der Tempelritter geht. Aber das Ganze ist so umfangreich, dass es wohl eine eigene Romanreihe geben wird. Eine historische Projektgruppe steht dahinter und es wird sicher eine sehr interessante Arbeit, die leider noch nicht begonnen hat, weil die finanziellen Mittel dafür von der EU kommen sollen…

 

11. Hast du schon an einer Verfilmung deines Buches gedacht? Vielleicht hast du ja bereits Ideen für mögliche Schauspier. Wenn ja, welche wären es?

Verfilmen wäre klasse! Sicher ist das der Traum eines jeden Schriftstellers. Aber ich mag die deutschen Verfilmungen nicht so sehr. Sie sind immer so hölzern… Ich mag die Filme von dem Regisseur Ridley Scott. Schauspieler? Oh, da gibt es einige, die gut in meinen Roman passen könnten: Keanu Reeves, Johnny Depp, Brad Pitt und Sean Connery als Graf Raymond IV. von Toulouse - Heath Ledger hätte gut als Olivier gepasst…

 

12. Werden deine Bücher auch in anderen Sprachen veröffentlicht? Wenn ja, in welchen?

Das wäre auch eine super Sache! Aber dazu muss ein Buch erst ein Bestseller werden, denn Übersetzungen sind unglaublich teuer. Und bei so vielen Seiten…

 

13. Neben dem Schreiben hast du bestimmt andere Hobbys. Welche wären diese?

Ich singe gerne. Seit zwei Jahren bin ich in einem Chor, der auch moderne Songs singt. Danach hatte ich immer gesucht. Ich liebe die Natur und schöne Spaziergänge, gute Filme, beinahe jede Musik außer Hiphop. Letztes Jahr war ich z. B. auf dem Konzert von Nickelback in der SAP-Arena Mannheim. Natürlich lese ich viel und auch da Verschiedenes, nur nicht diese Schnulzenromane, eher Anspruchsvolleres wie die Romane von Exupéry oder die Memoiren von Giacomo Casanova – grins! – bestimmt besser als diese “grauen Schattierungen”…

 

Internetpräsenzen von Gabrielle C. J. Couillez:

Offizielle Seite: http://gabrielle-c-j-couillez.jimdo.com/

Twitter: https://twitter.com/@GCJCouillez

„Die Frucht des Ölbaums“ bei Facebook: https:// facebook.com/pages/Die-Frucht-des-%C3%96lbaums/278073505613310

http://www.amazon.de/Die-Frucht-%C3%96lbaums-Gabrielle-Couillez/dp/3944343700/ref=sr_1_2_bnp_2_per?ie=UTF8&qid=1400844511&sr=8-2&keywords=die%20frucht%20des%20%C3%B6lbaums