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Kurzgeschichte: Freundschaftsanfrage

Gemeinschaftsprojekt BF2 HT, April 2017

„Hey“ liest Stella. Eine Nachricht von dem hübschen Jungen, der ihr eine Freundschaftsanfrage geschickt hat. Sie hatte ihn schon mal auf dem Schulhof gesehen und schreibt direkt zurück. Sofort kommt eine weitere Nachricht von Ali „Wie geht es dir?“ Ein Wort ergibt das andere und die Zeit fliegt dahin. Einige Treffen und eine Einladung ins Kino später geht Stella viel durch den Kopf… Er ist so süß und macht mir so viele Komplimente. Wir lachen viel zusammen. Aber er kommt aus einem anderen Land und das kann kompliziert werden…. Ich habe Angst, es meinen Eltern zu sagen…

Dann sitzen sie im Kino nebeneinander. In einer romantischen Szene nimmt Ali Stellas Hand. Nie hätte sie gedacht, dass eine einfache Berührung so viel bedeuten kann. Alles ist neu und doch vertraut. Ali schaut auf die Leinwand. Er sieht die Bilder, aber er versteht nur wenig. Was er versteht, ist das Mädchen neben ihm. Ohne Worte. Im Park überrascht er sie mit einer Rose und ihr Blick sagt ihm, was er hören will.

 

Doch Zuhause hört er, was er nicht verstehen kann.

„Du wirst dieses Mädchen nicht mehr treffen!  Ende.“ – Zitternd geht Ali in sein Zimmer. Er setzt sich auf sein Bett und denkt an Stella. Das soll es jetzt gewesen sein? Er ist allein und traut sich zu weinen.

Die Tage vergehen und Stella macht sich große Sorgen um Ali, weil seine Eltern herausgefunden haben, dass sie sich treffen. Jetzt hat er sich schon eine Woche nicht mehr gemeldet.

„Ich werde Stella wiedersehen!“ Es ist Sonntagmorgen und seine Mutter hat ihn eben noch liebevoll angesehen, als er in die Küche trat. „Das ist meine Entscheidung!“ Alis Herz pocht wie wild. Sein Vater haut auf den Tisch und beugt sich zu Ali vor: „Biadab! Was glaubst du eigentlich!“ „Ich liebe sie aber!“ Bevor er aussprechen kann, hat er die Hand seines Vaters im Gesicht. Noch nie hat sein Vater ihn geschlagen. Er kann sich nur noch an die Schreie seiner Mutter erinnern.

Weg. Ich muss weg. Wie kann er so sein… Draußen tut ihm der frische Wind in dem neuen Land gut und beruhigt ihn.

 

„Beruhig dich! Was hast du dagegen, dass deine Tochter einen Freund hat?“ Stellas Mutter guckt fragend zu ihrem Mann.

„Weil erstens, er eine ganz andere Kultur hat und ich das nicht möchte. Zweitens, was wenn er ihr was antut?“

„Ich denke Stella ist alt genug, um zu wissen, was ihr gut tut. Wir haben sie schließlich selbstbewusst erzogen und ihr beigebracht, Entscheidungen zu treffen. Jetzt müssen wir ihr vertrauen und sie muss ihre Erfahrungen machen.“

„Aber du weißt nicht einmal, wie er ist und was er vor hat.“

„Aber du weißt es doch auch nicht. Du musst beiden eine Chance geben. Früher oder später hätte sie sowieso jemanden kennen gelernt. Du kannst das nicht aufhalten.“

„Sie kann ja auch jemanden kennen lernen. Aber einen, der zu ihr passt!“

Das Klingeln unterbricht ihr Gespräch und Stellas Vater geht die Tür öffnen. Da steht Vivian mit einem Umschlag für Stella.

 

19 Uhr. Stella sollte eigentlich schon da sein. Vivian hat versprochen, ihr den Brief zu geben. „Liebe Stella, wir machen wie im Film. Wir flüchten. 19 Uhr mit Zug. Ich liebe dich. Ali“ Ist sie wirklich bereit, alles für ihn aufzugeben? Schritte nähern sich. Aufgeregt springt er auf.

Doch um die Ecke kommen seine Eltern.