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Tschick – ein Jugendroman, ein lustiges Abenteuer, eine Geschichte über Außenseiter

von der BF II GH / Juli 2015

Zum Inhalt

In seinem 2010 veröffentlichten Roman ,,Tschick,, beschreibt Wolfgang Herrndorf die Erlebnisse zweier Vierzehnjähriger aus Berlin, die mit einem gestohlenen Lada von Berlin aus durch die ostdeutsche Provinz fahren. Ihr Ziel ist, Tschicks Großvater in der Walachai zu besuchen. Die Geschichte  spielt in den Sommerferien  und wird aus der Perspektive von Maik Klingenberg, einen der beiden Protagonisten, erzählt.

Der Außenseiter Maik geht in die achte Klasse und hält sich für langweilig. Er ist verliebt: in Tatjana , die ihn aber nicht beachtet. Er lebt in einer Villa mit seiner alkoholkranken Mutter und seinem Vater.

Auch Tschick, mit richtigem Namen Andrej Tschichatschow, steht in der Klasse abseits. Er ist vor 4 Jahren mit seinem Bruder aus Russland gekommen.

Als die Sommerferien beginnen, fährt Maiks Mutter in eine Entzugsklinik und der Vater mit seiner Sekretärin auf eine “Geschäftsreise”. Maik aber wird mit etwas Geld alleine Zuhause gelassen. Tschick überzeugt ihn, erst Tatjanas Geburtstagsparty, zu der er nicht eingeladen ist, zu besuchen und anschließend mit dem Lada einfach weg zu fahren. Das Ziel ist die Walachai, aber einen Idee, wie sie dort hinkommen, haben die Jungs nicht. Die Reise beginnt planlos und endet schließlich mit einem dramatischen Unfall, aber mit einer Entscheidung für die Freundschaft.

Eine abenteuerliche Reise

Unter einer abenteuerlichen Reise verstehen wir  etwas, was man nicht immer macht, etwas Außergewöhnliches, was mit dem Alltag nicht zusammenhängt, ein Entfliehen aus dem Alltag, ein aufregendes Erlebnis. Man glaubt immer daran, dass sie trotz aller Herausforderungen gut aus geht. Wir würden gerne mal eine solche Fahrt unternehmen.

Auch in dem Jugendroman „tschick“  kann man von einer abenteuerlustigen Reise sprechen, weil Maik und Tschick sich spontan entscheiden, zu dem Opa in die Walachei  mit einem geklauten Auto zu fahren. Auf dieser Reise wollen die beiden Jungs gemeinsamen Spaß und Freundschaft erleben und dem problemlastigen Alltag, den sie haben, entfliehen. So geht es ihnen nicht um das Ziel, sondern um den aufregenden Weg. Auf diesem gibt es eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, ungewöhnliche Bekanntschaften mit Menschen, durch die Vorurteile abgebaut werden, sexuelle Geständnisse und einige andere spannende Grenzerfahrungen.

Freundschaft

Für uns bedeutet Freundschaft, immer für den anderen da zu sein, wenn man Probleme mit den Eltern, dem Freund oder der Freundin oder auch in der Schule hat. Richtige Freunde vertrauen sich  Geheimnisse mit der Gewissheit an, dass persönliche Gespräche nicht weitergegeben werden. Freunde reden niemals schlecht übereinander und machen sich nicht runter. Ganz wichtig ist, dass man sich nicht verstellen muss, also dass man sich so geben kann, wie man ist. Freunde bauen sich gegenseitig auf und motivieren den anderen. Jeder weiß vom anderen, wie er denkt und sich fühlt.

Tschick und Maik sind anfangs keine Freunde, da Maik nicht viel von Tschick hält. Der Russe wirkt asozial und respektlos, so kommt er zum Beispiel oft betrunken in die Schule. Deshalb ist er nicht sehr beliebt bei den Mitschülern. Die Jungen lernen sich besser kennen, als Tschick Maik überredete, zu seinem Schwarm Tatjana zu fahren, um ihr das selbstgemalte Bild von Beyonce zu geben. Das kostet Maik viel Überwindung und er schafft es nur mit Tschicks Hilfe. Tschick bringt Maik dazu, einen Trip in die Walachei mit einem „ausgeliehenem“ alten Lada zu machen. Auf dieser abenteuerlichen Reise lernen sie sich besser kennen und müssen viele Probleme lösen. Dadurch werden sie zu engeren Freunden, die offen über alles reden und Vertrauen zueinander finden. Zum Schluss gesteht Tschick Maik,  dass er homosexuell ist, was darauf schließen lässt, dass er viel Vertrauen entwickelt hat und durch Maik auch den Mut gefunden hat, sich zu offenbaren.

Erwachsenwerden

Für uns bedeutet Erwachsenwerden, Verantwortung und Selbständigkeit zu entwickeln. Ein weiterer Punkt ist die Sexualität. In partnerschaftlichen Beziehungen sollte man füreinander da sein, wenn es dem anderen schlecht geht und der andere ein offenes Ohr braucht, dem er seine Sorgen und Ängste erzählen kann. Einander zu vertrauen und treu bleiben, auch wenn die Situation noch so kompliziert und stressig ist, ist dabei eine Herausforderung, die richtige Liebe bewältigt. Damit ist Liebe auch sehr eng verknüpft mit Freundschaft. Aber Liebe heißt auch, dem anderen seinen Freiraum zu lassen. Liebe kann außerdem sehr verletzend und schmerzhaft sein. In der Pubertät eine/n Freund/in zu haben, ist sehr schwer, weil die Hormone bei jedem verrückt spielen. Manchmal weiß man gar nicht, wie man die Gefühle steuern soll, weil es neue Gefühle sind, die von Verlangen und Trieben gesteuert werden. Man muss seine Erfahrungen machen und das ist ein großer Schritt ins Erwachsenwerden.

luka und natascha
Maiks und Tschicks Eltern kümmern sich nicht richtig um ihre Söhne. Sie werden eher von ihren Eltern allein gelassen. Sie merken schnell, dass sie sich sehr gut verstehen und lernen, sich zu vertrauen und füreinander Verantwortung zu übernehmen. Dann lernen sie Isa kennen und Isa bietet Maik an, mit ihr zu schlafen. Aber Maik ist sehr schüchtern und weiß nicht, wie er mit der Situation umgehen soll. Sex ist neu für ihn. Tschick wirkt in diesem Punkt sicherer, cooler, doch am Ende beichtet er Maik, dass er homosexuell ist. Dabei hat er selbst am Anfang das Schwul-sein ins Lächerliche gezogen.

Für alle ist Sexualität ein großes Thema, das mit Verwirrung, Unsicherheit und Spannung verbunden ist. Die neuen Erfahrungen machen sie etwas erwachsener. Sie treffen Entscheidungen, übernehmen letztendlich vor Gericht Verantwortung für ihr Handeln und setzen sich gegen andere Meinungen und Widerstände durch. So möchte Maiks Vater, dass er vor Gericht eine Falschaussage macht, um selbst besser aus der Geschichte raus zu kommen und vor allem, um in der Öffentlichkeit die Familie nicht zu blamieren. Doch Maik bleibt trotz Schlägen loyal. Er verhält sich erwachsen und trägt die Konsequenzen. Am Schluss erhält er dafür die Belohnung: Selbstachtung, Stolz, Freundschaft und seine Mitschüler beachten ihn nun nicht nur, sie bewundern ihn sogar. Die Einsamkeit scheint zumindest dort ein Ende zu haben.

Einsamkeit und Außenseiter

Ein Außenseiter ist man, wenn eine Person von  z.B. den Klassenkameraden ausgeschlossen und nicht anerkannt wird, weil er eine andere Hautfarbe, eine andere Persönlichkeit oder halt irgendetwas anders hat.

Einsamkeit bedeutet für uns, wenn ein Mensch keine Freunde oder Bekannten hat, die Interesse an ihm haben, ihn unterstützen und beistehen und der auch im Familienleben sehr wenig Aufmerksamkeit bekommt, beispielsweise, wenn er eine gute Note geschrieben hat und es die Familienangehörigen nicht interessiert.

In dem Buch Tschick geht es auch um Einsamkeit und Außenseitertum, denn Maik fühlt sich einsam, weil er sehr wenig Aufmerksamkeit von seiner Familie bekommt und weil seine Eltern kein besonderes Interesse an ihm haben. Die Mutter ist alkoholkrank und mit allem überfordert und der Vater ist egoistisch. Ihn interessiert nur ein gutes Außenbild seiner „Familie“, die eigentlich schon lange zerrüttet ist. In der Klasse ist Maik ein Außenseiter, weil er schüchtern, nicht gut im Kennenlernen ist und dadurch keine Beachtung erhält. Selbst wenn er Bestleistungen beim Hochsprung zeigt, ist er für die Klasse wie unsichtbar.

Tschick wirkt auf den ersten Blick ganz cool und locker, aber im Nachhinein stellt man fest, dass er auch wie Maik einsam und ein Außenseiter ist. Denn auch wenn er locker und gelassen wirkt, grenzt er sich von seinen Klassenkameraden ab und bleibt für sich. Zuhause scheint sich ebenfalls niemand um ihn zu kümmern, denn er kommt oft alkoholisiert zur Schule.

Isa ist zunächst frech und übermütig und macht einen sehr selbstbewussten Eindruck, doch später  entpuppt sie sich so wie Maik und Tschick auch als  Außenseiter, was dadurch deutlich wird, dass sie sich nach der Freundschaft der beiden sehnt. Sie schließt sich ihnen an, obwohl sie erst nicht erwünscht ist. Sie bietet sich Maik an, auf der Suche nach etwas Liebe.

Auch Maiks Mutter ist durch ihr Alkoholproblem und die gescheiterte Ehe eine Außenseiterin. Die Schlussszene im Pool wirkt aber wie eine Befreiung, verweist auf einen Neuanfang, bei dem alles Alte und Vergangene keine Rolle mehr spielt. Ein Sprung ins klare Wasser, ein Sprung in ein neues, vielleicht besseres Leben?