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Hast du W-Lan?

Essay von Paulina Karwacka (HBF1 FuB / 2015)

Heutzutage hat so gut wie jeder ein Smartphone. Meine Oma, meine Mama, meine Freunde, die Nachbarn, fast jeder, den ich sehe, rennt mit so einem Hightechgerät herum. Überall wird gesurft, geplant und fotografiert. Wir leben in einer Smartphone-Gesellschaft. Ich selbst bin eine Smartphonebesitzerin und schwimme mit dem Strom. Wenn ich meinen Freunden zeigen will, wo ich bin, schieße ich schnell ein Selfie und schicke es per WhatsApp in eine sogenannte Gruppe. Wenn ich wissen will, wann der nächste Zug nach Buxtehude kommt, schaue ich schnell mal in die App. Wenn ich eine dringende Wissensfrage habe, dann frage ich Onkel Google, wie groß der Umfang der Erde ist oder ob Affen schwimmen können. Ja ich gehöre auch zur Smartphone-Gesellschaft und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das gut oder schlecht ist.

Was würden wir auch tun ohne diese kleinen, glänzenden, eleganten und hilfreichen Mini-Computer, die uns den Alltag versüßen? Wer kein Smartphone hat, der hat eben kein Smartphone. Man sieht es schon bei den Jüngsten. Als ich 15 war, bekam ich mein erstes Smartphone, heute laufen schon 8-Jährige mit dem neusten Iphone in der Hand umher und prahlen bei ihren Kumpels mit den besten Spielen und Apps. Als ich in dem Alter war, habe ich noch mit Puppen gespielt oder draußen mit meiner Clique Zeit verbracht.

Jeder braucht ein Smartphone. Es entwickelt sich schon zu einer Sucht. Eine Krankheit, die sich jeder für Geld kaufen kann. Die Menschen werden blind für ihre Umwelt. Man läuft durch die Gegend und nimmt sein Umfeld nicht mehr wahr, da man viel zu beschäftigt ist, den kleinen Bildschirm anzustarren. Kein Wunder, dass der ein oder andere schon mal gegen den Baum läuft, weil er gerade das nächste Level bei Angry Birds erreichen wollte.

Wenn man sich mit Freunden trifft, gibt es manchmal die Situation, in der keiner ein Wort spricht, da das Handy interessanter ist als alles andere. Daraus wurden ja schon Trinkspiele gemacht. Wer in der Gruppe als Erstes auf sein Telefon schaut, der zahlt die nächste Runde. Und wenn mal zum Beispiel die Frage auftaucht, wie lang der Rhein oder wie alt Speyer ist und niemand genau weiß, wer Recht hat, zückt man das Handy, fragt Wikipedia und die Diskussion ist beendet. Früher konnte man sich mit den besseren Argumenten oder mit angeblichen Beweisen durchsetzen. Heute ist solch eine Diskussion schneller beendet, als sie angefangen hat. Es ist die Gesellschaftskrankheit des 21. Jahrhunderts. Und viele können wirklich nicht mehr ohne.

Das neue Hobby heißt Smartphone. Wozu sollte man sich noch bewegen, um seine Freunde zu treffen, solange man sie über den kleinen Kasten erreichen und mit ihnen kommunizieren kann? Wozu sollte man Sport im Verein treiben oder ein Instrument lernen, wenn man doch alles als App herunterladen kann? Das Telefon kann dies alles ersetzen und gestaltet einem die Freizeit viel bequemer.

Man muss ja immer auf dem neuesten Stand sein in Sachen Facebook, Twitter, Instagram und Co. Es wird sogar erwartet, auf dem neuesten Stand der Dinge zu sein oder zumindest erreichbar über Dienste wie WhatsApp, Skype oder Facetime. Wenn man mal eine Stunde nicht nachschaut, dann erwarten einen ca. 100 Benachrichtigungen aller Art. Unser Zeitalter wird immer schneller und durch die schnelle Kommunikation rasend schnell. Dinge, für die man früher daheim recherchiert hat oder die man vor Ort regeln musste, kann und muss man teilweise jetzt einfach unterwegs erledigen. Schnell mal eine Überweisung gemacht oder eine E-Mail verschickt, kurz mal ein neues Top bei H&M bestellt oder den Terminplan gecheckt.

Als Festivalgängerin war ich selbst verwundert, wie viele Menschen ihr geliebtes Handy in das pure Chaos mitnehmen, nur um die Vorteile, die es mit sich bringt, nutzen zu können. Ich persönlich halte es für absoluten Blödsinn, mein teures Smartphone Regen, Hitze, Schlamm und dem Gedränge in den Menschenmassen auszusetzen. Da kann man doch keinen Spass haben, wenn man die ganze Zeit im Hinterkopf hat: Hoffentlich geht es nicht kaputt oder wird geklaut! Wenn man erreichbar sein will, dann reicht doch das alte “Schrotthandy“, das alles mitmacht. Festivals an sich sind für mich auch ein Urlaub vom Smartphone, indem man eben mal 3-5 Tage nicht für alles erreichbar ist. Und man weiß den Luxus wieder zu schätzen, wenn man zu Hause ankommt. Aber sogar auf dem Festival kann man, wenn man will, gegen Geld sein Mobiltelefon aufladen, um natürlich Bilder in Instagram zu posten mit den Zusätzen #RaR, #Geilebands, #Geileswetter etc. Das Geschäft lohnt sich, denn das Smartphone wird immer “wichtiger“.

Auch Bahn und Busverkehr rüsten zurzeit schon gewaltig um. Seit Monaten kann ich schon, wenn ich nach Polen mit dem Bus reise, das W-Lan Angebot des Reiseunternehmens wahrnehmen, und ich bin nicht die Einzige. Überall leuchten die kleinen Bildschirme bei der Fahrt über Nacht. Warum auch nicht? Bei 18 Stunden im Bus sucht man natürlich überall nach Ablenkung, damit die Zeit schneller vergeht. Aber nicht nur die Reiseunternehmen haben nachgerüstet. Fast überall wird mit W-Lan geworben. Im Café, im Fast-Food-Restaurant, in der Mall oder auch in kleineren Läden darf jeder online gehen, ohne sein Datenvolumen aufzubrauchen. Da wird man ja schon fast zum Surfen genötigt. Das beste Beispiel ist Starbucks. Wenn man am Mannheimer Starbucks vorbeiläuft, sieht man von außen, wie die Leute gemütlich ihren Kaffee trinken und mit der Nase fast im Smartphone stecken. Sogar wenn man zu Freunden oder Verwandten geht, ist eine der ersten Fragen nicht „Wie geht’s dir?“ oder „Wie läufts in der Schule/Arbeit“, sondern „Hast du W-Lan??“. Selbst meine Oma hat mich gefragt, als sie das letzte Mal von Polen zu uns nach Hause kam. W-Lan ist schließlich lebenswichtig für den gemeinen Smartphone-User. Wenn die Datenflat nicht mehr ausreicht oder nur um dem Auslaufen der 2GB Datenvolumen vorzubeugen, ist die Frage nach dem W-Lan das Wichtigste.

Generell sind die Smartphone-User mit allem „connected“, was sie brauchen. Wer sich auskennt steuert sein ganzes Leben mit dem Telefon. Man kann per App daheim das Licht oder die Heizung ein- und ausschalten, genauso wie den Fernseher oder die Stereoanlage. Schnell mal eine Pizza bestellt und den Lieblingsfilm angemacht. Das klappt alles dank Smartphone. Wem das noch nicht genug ist, der hat schon längst eine Smartwatch und muss nicht einmal mehr das plötzlich so unhandliche IPhone in die Hand nehmen. Oder wer es größer mag, der lässt einfach das Telefon die Fernsehshow streamen und an das Tablet senden. Das gewöhnliche Mobiltelefon wird somit für den Nutzer zum Schweizer Taschenmesser, wenn er sich damit auskennt.

Doch welches ist das Beste? Wenn ich meine Freunde frage, dann gibt es immer eine hitzige Diskussion, ob jetzt das IPhone oder doch ein Android-Handy das beste System, Leistung, Design oder Haltbarkeit hat. Solche Auseinandersetzungen finde ich immer sehr amüsant und unterhaltsam. Mir persönlich ist das egal, aber richtige Fans versuchen eben jeden von ihrer Marke zu überzeugen. Dann gibt es natürlich auch noch die aussterbende Art der “Nicht-Smartphone-Besitzer“, an denen das Ganze bis jetzt komplett vorbeiging. In meinem Freundeskreis sind das zwar nur zwei, aber die sind völlig zufrieden und haben nicht vor, sich dem Gruppenzwang zu fügen. Dennoch denke ich, dass bald jeder gezwungen sein wird, sich so ein Gerät zuzulegen, nicht nur wenn man sich Service und Information wünscht, sondern auch für banale Ding wie das Bezahlen.

Aber generell lassen wir uns doch zu leicht von tollen Angeboten und fairen Preisen, die man natürlich ganz unverbindlich geschickt bekommt, zur Schnäppchenjagd verleiten. Kaum sucht man auf amazon.de nach einer Handyhülle, um sein Telefon noch schöner und ganz “individuell“ zu gestalten, bekommt man hunderte von Angeboten. Facebook und andere soziale Netzwerke sind ja auch schon darauf gekommen. Durchsucht man mal im Starbucks seines Vertrauens die Neuigkeiten auf Facebook, bekommt man ganz persönlich auf einen zugeschnittene Werbung zwischen den Posts seiner Freunde und Lieblingsseiten aufgezwungen. “Ganz in deiner Nähe“ oder “Das könnte dich interessieren“ heißt es hier und man bekommt sogar Rabatte mit einem speziellen Gutschein-Code. So versucht man, uns zum Kaufen und Konsum zu bewegen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Menschen auf solche Tricks hereinfallen. Bestimmt genug. Die klassische Werbung hat ausgedient. Jetzt werden wir alle mit tollen Angeboten gelockt, die wir einfach mit uns herumtragen. So habe ich, nachdem ich mir mein neues Batman-Case bestellt habe, noch tausend andere Angebote für noch mehr Handyhüllen in meiner Handtasche dabei und müsste nur um die Ecke gehen, den Gutschein-Code vorlegen und mir 15% sichern, um aus Batman einen kleinen süßen Pinguin zu machen. Besser geht Marketing nicht.

Aber was wäre, wenn es keine Smartphones gäbe? Was würden wir ohne diese Hightechgeräte, die uns das Leben versüßen, machen? Wären wir aufgeschmissen, wenn wir den nächsten McDonalds suchen oder Freunde treffen wollen? Wie hat das die Generation vor uns geschafft? Fragen über Fragen, die uns beschäftigen, aber zum Glück kann ich auf mein Samsung schauen und Google fragen, wie der offizielle Postweg 1967 war. Früher hat die Welt doch auch funktioniert und heute sind wir abhängiger denn je von unseren kleinen Hilfsmitteln. Ich frage mich, wie künftige Generationen den Alltag meistern werden und ob sie auch abhängig sein werden oder ob sie sich vielleicht zurückbesinnen auf Zeiten, in denen man einfach auf die Straße ging, Menschen getroffen und sich mit ihnen unterhalten hat. Einerseits bin ich eine der glücklichen Handykonsumenten, aber andererseits regen mich die ganzen Handyzombies auf, die gedankenlos und blind durchs Leben irren.

 

 

Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine Quellen benutzt habe.

Karwacka Paulina